Ausflug in die Vergangenheit


Donnerstag 07.09.2023
Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 9 km

Petrus meint es endlich wieder einmal gut mit uns: Strahlend blauer Himmel und das Quecksilber am Thermometer pendelt sich knapp unter der dreißig Grad Marke ein. Lisawetter, wie es sich die Mitwanderer vorstellen.
Von der Mögeldorfer S-Bahnstation wandern wir hinunter zur Satzinger Mühle an der Pegnitz, einer ehemaligen Getreidemühle aus dem Mittelalter. 1591 wurde sie zur Papiermühle umfunktioniert, was vielen Anwohnern nicht so recht gefiel, aber unter Einhaltung strenger Vorgaben schließlich doch verwirklicht werden konnte. Mehrfache Nutzungsänderungen in den Folgejahren und letztendlich der Bombenhagel im zweiten Weltkrieg auf Nürnberg führten dazu, dass das Gebäude, nun als Kunstmühle, neu aufgebaut werden musste. 1972 erfolgte schließlich die endgültige Einstellung des Betriebes. Die Wasserkraft ging an die Stadt Nürnberg. Seitdem dient die Mühle nur noch der Gastronomie. Lediglich das unaufhörlich vor sich hinplätschernde Wasserschöpfrad erinnert an die einstige Bedeutung des Anwesens.
Um die Schafweiden in den Pegnitzauen durchwandern zu können, müssen wir mit einem Riesenschritt einen Wassergraben überqueren. Unter Zuhilfenahme einer führenden Hand gelangen alle Mitwanderer trockenen Fußes ans andere Ufer. Uralte Weiden und riesige Uferbäume säumen unseren Weg und spenden den normalerweise hier weidenden Schafen Schatten. Vorbei am Naturbad Langsee und durch ausgedehnte Trockenrasenwiesen erreichen wir an der „Quellkapelle zur schmerzhaften Mutter“ Unterbürg. Die Kapelle war einst das Brunnenhaus von Schloss Unterbürg, welches direkt hinter uns aufragt. 1363 wurde das einstige Wasserschloss erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1453 war die Patrizierfamilie Groland hier ansässig. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz.





Gleich um die Ecke treffen wir auf die Ruinen von Schloss Oberbürg und den dazugehörigen Wirtschaftshof. Ein Bombenabwurf im August 1943 bereitete dem angeblich einst prachtvollsten Schloss der Region ein trauriges Ende. Teile der Umfassungsmauer mit den Ecktürmen und der Wirtschaftshof sind noch erhalten, leider stark vom Vandalismus gezeichnet.
Nach so viel Kultur knurrt uns der Magen. Es ist Zeit für eine Einkehr im Gasthof „Hammerschmiede“ in Laufamholz. Auf diesen Schluck kühlen Bieres im schattigen Biergarten freut sich unsere Kehle schon seit langem, nach so viel Kultur. Die angeblich „besten Cevapcici“ der Region runden den guten Eindruck der Hammerschmiede ab. Nun geht es wieder kulturell weiter mit der alten Industriesiedlung Hammer. Das „Messing- und Lahngoldwerk Hammer“ in Laufamholz ist eines der ersten nachweisbaren Standorte für Messingproduktion in Deutschland, welche hier im Jahre 1492 begann. 1806 war es die größte Fabrik im Nürnberger Land. Auf altem Kopfsteinpflaster und vorbei an niedrigen Fachwerkhäusern führt der Weg durch die Siedlung. Die alten Handwerkerhäuser mit ihren niedrigen Eingängen sind heute noch bewohnt. Wer größer als 1,70 m ist, muss an der Haustür den Kopf einziehen. Der Sandstein-Obelisk, der heute noch auf dem zentralen Platz steht, wurde 1861 von der Familie von Forster aus dem ehemaligen Volckamerschen Garten in Gostenhof in das Fabrikgut Hammer zum Gedenken an den Miteigentümer verlagert. Der Gelehrte Johann Christoph Volckamer hatte die 12 m hohe Steinsäule nach einem Vorbild in Konstantinopel zu seinem eigenen Gedenken anfertigen und 1709 in seinem Garten in Gostenhof errichten lassen. Auf dem Türmchen des Uhrenhauses, jetzt Museum, tickt noch heute die Uhr mit nur einem Zeiger, eine sogenannte Stundenuhr.
Vorbei am ehemaligen Wasserschloss in Malmsbach und dem eindrucksvollen Naturdenkmal „Neuneichen“, erreichen wir Behringersdorf und in Schwaig unsere S-Bahn für die Heimfahrt.







Text: Roland Rikirsch
Bilder: Roland Rikirsch und Walter Müller

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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