Über den 603 m hohen Moritzberg, den Hausberg der Nürnberger

Donnerstag, 29.09.2022
Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 14 km





Heute müssen die 21 Mitwanderer mit mir als Wanderführer vorlieb nehmen. Die Wanderführerin hat sich die Schulter ausgekugelt und fällt aus. Weil aber gutes Wanderwetter prognostiziert, ist übernehme ich und erkaufe mir gleichsam die Zustimmung mit einem Gruppenfahrschein, der jedem 2,40 Euro Ersparnis gegenüber dem Tagesticket bringt.

Die angekündigte Störung wegen Bauarbeiten am S-Bahngleis bringt weniger Verspätung als erwartet und so können wir fast planmäßig von Röthenbach Seespitze loswandern. Über Letten und vorbei am gleichnamigen Hotel, welches von der Autobahn aus immer beim Vorbeifahren zu sehen ist, gelangen wir zum ersten Naturdenkmal mitten im Wald an der Hüttenbachschlucht: Die „Sprosselbrunnen“. Von den meisten Wanderern übersehen, weil kein Schild darauf hinweist. Nur wenige Meter unterhalb des Wanderweges sprudelt Wasser aus runden Löchern im Sandstein. Wenn genug Wasser kommt, kann man die unteren Löcher zuhalten, dann sprudelt es weiter oben raus.
Nur ein paar hundert Meter weiter, das nächste Highlight: Der „Klingende Wasserfall“. Leider ist das Klingen nur zu hören, wenn nach starken Frösten die Eiszapfen bis zum Boden hängen und das Wasser dahinter gurgelt und gluckst. Wir geben uns damit zufrieden, dass nach all den Regentagen genügend Wasser über die Kante nach unten stürzt. In Haimendorf werden wir von der Wanderführerin mit Chauffeuse erwartet. Ihren kulturellen Beitrag über das gepflegte Schloss der „Führer“ wollen wir uns nicht entgehen lassen. Zum Mittagessen am Moritzberg werden wir unsere Wanderführerin noch einmal treffen.







Für uns beginnt nun die Zeit, für unsere Sünden Buße zu tun. Erst moderat, dann immer steiler werdend steigen wir hinauf auf den 603 m hohen Moritzberg. Zum Glück erwartet uns hier die heimelige Gastwirtschaft, welche auch noch vorzügliches Essen anzubieten hat. Unsere Plätze sind reserviert, jetzt ist die Bude rappelvoll. Hinter dem bullernden Ofen werden auch unsere durchgeschwitzten Klamotten schnell wieder trocken. Ein Teil der Mitwanderer lässt es sich natürlich nicht nehmen, noch auf den Aussichtsturm hinaufzusteigen und den Blick von Nürnberg bis in die Oberpfalz schweifen zu lassen. Den Schlüssel dafür haben wir bei der Wirtin organisiert.

Hatten wir bis jetzt Glück mit dem Wetter, fängt es nun, entgegen aller Prognosen zu regnen an. Der Abstieg fordert unsere Aufmerksamkeit mehr als der Aufstieg, ist er doch im oberen Teil ebenso steil und dazu noch glitschig und schmierig. Wohlbehalten erreichen wir Schönberg und ab hier bietet der Weg keinerlei Gefahren mehr für uns. Es sei denn, man stolpert vor Langeweile über die eigenen Füße. Entspannt kommen wir am Bahnhof Lauf links an. Wegen der Bauarbeiten müssen wir eine halbe Stunde auf unsere S-Bahn warten, weil statt drei Zügen pro Stunde nur zwei fahren und ausgerechnet unserer ausfällt.
Rückblickend überkommt mich ein richtig gutes Gefühl, macht es mich doch mächtig stolz, einmal einen Tag lang alleiniger Hüter von 18 Frauen gewesen zu sein. Für das mir entgegen gebrachte Vertrauen und die hervorragende Disziplin möchte ich mich deswegen nochmals herzlich bedanken.

Text und Bilder: Roland Rikirsch

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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