Von Postbauer über die Kaltenbachquelle nach Hausheim und zum Goldhut – zurück nach Postbauer

Donnerstag, 12.08.2021
Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 15,5 km




Corona haben wir ja mittlerweile im Griff. Da tut sich plötzlich eine nicht ganz neue Seuche der Deutschen Bahn wieder auf – die GDL.
Lokführerstreik ist angesagt.
Schnell organisieren wir uns um und fahren mit Autos zum Bahnhof von Postbauer-Heng. Drei ganz Mutige schaffen es tatsächlich, pünktlich per S-Bahn von Nürnberg einzutreffen. Unser Corona-Kontingent von 20 Personen ist somit voll ausgeschöpft. Stetig ansteigend, bis zur Abzweigung zur Kaltenbachquelle kommen wir ganz gut auf Temperatur. Kurz vor der Quelle, rechts am Wegesrand, die einzige noch in voller Blüte stehende „Breitblättrige Ständelwurz“, eine Orchidee die wir heute noch mehrfach, allerdings verblüht, entdecken werden.
Die Kaltenbachquelle entspringt auf einer Sandsteinschicht und entlässt ihr Wasser aus einer Höhle. Dank der uneigennützigen Arbeit mehrerer Rentner aus der Umgebung kann sie derzeit sicher auf einem stabilen Holzsteg besucht werden. Unsere Kulturwartin berichtet hier von einer vermissten Person, deren Leiche nur mittels der genauen Angaben eines Mediums in der Nähe der Quelle gefunden werden konnte. Nur noch bergab geht es nun zur Einkehr im Gasthaus „Zum Ross“ in Hausheim. Etwas Geduld ist angesagt, aber es lohnt sich, auf die Speisen aus eigener Metzgerei etwas länger zu warten. Trotzdem müssen wir zum Aufbruch mahnen, liegt doch die längere Strecke der Wanderung noch vor uns.





Erst moderat, dann immer steiler werdend schleppen wir die Last der Schnitzel und Bratwürste bergan. Hatten wir sie doch zu uns genommen, um genügend Brennstoff für diesen Teil des Weges vorrätig zu haben. Am alten Kalkbrennofen von 1850 erfahren wir, wie zu jener Zeit pulverförmiger Kalk für den Hausbau hergestellt wurde. Kurze Zeit später sind wir am höchsten Punkt unserer Wanderung angelangt. Unseren Geist erfrischen wir zwischendurch an mehreren Stationen des Poesieweges. Jetzt geht es nur noch bergab. Durch Hohlwege und über schmale Pfade führt uns der Weg zum Fundort des Goldhutes. Hier läuft unsere Kulturwartin wieder zu Hochform auf. Ein Waldarbeiter förderte 1953 beim Baumfällen hier ein vermeintliches Stück Schrott zu Tage. Er zerhackte es beim Graben in Teile und warf es zur Seite. Die fragmentierten Blechteile wurden später ob ihrer goldschimmernden Färbung von der Frau des Arbeiters eingesammelt und einem Zahnarzt vorgelegt. Durch eine Schmelzprobe stellte sich heraus, dass das Blech aus gediegenem Gold bestand. Die Fundstücke wurden im Folgenden dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg angeboten, das den Fund als Gegenstück zum Goldenen Hut von Schifferstadt erkannte und ankaufte. Bei weiteren Grabungen konnten noch mehr Fragmente geborgen werden.
Der restaurierte Goldhut hat eine Höhe von 88,5 cm und besteht aus 310 Gramm reinem Gold. Er ist heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ausgestellt.
Unser Weg führt nun hinunter zur Grenze zwischen Mittelfranken und der Oberpfalz. Hier steht an der Straße von Etzelsdorf nach Buch eine abstrakte Skulptur des Goldhutes im Maßstab 5:1. Gute zweieinhalb Kilometer sind es nun noch bis zum Bahnhof von Postbauer. Der großen Hitze geschuldet gönnt sich ein Teil der Gruppe im Sportheim des SV Postbauer-Heng noch eine kühle Erfrischung.

 









Text und Bilder: Roland Rikrisch




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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