Zu Kirschen und Kellern in der Fränkischen

Donnerstag, 04.07.2019
Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 12 km


Unsere Kulturwartin führt uns vom Bahnhof in Pretzfeld über den Schlossberg direkt in den Schlosshof. Der Verwalter hat uns herzlich eingeladen, die erstmals im Jahre 1145 erwähnte Anlage auf eigene Faust, samt Schlosspark zu besichtigen. Der etwas heruntergekommene Charme des Schlosses und die Schlichtheit des Parks begeistern uns. Dem Anlass entsprechend spendieren Erika und Konrad einen edlen Marillenlikör im Schatten der uralten Lebensbäume.
Von 1946 bis 1969 befand sich im Schloss unter der Leitung der beiden Physiker Spenke und Schottky ein Forschungslabor der Fa. Siemens zur Einführung von Silizium als Halbleitermaterial.
Nächste Station der kulturellen Einlassungen ist die St. Kilian Kirche, gleich um die Ecke. Das Wissen unserer Kulturwartin ist hier nicht gefragt. Spontan, quasi aus dem Nichts taucht plötzlich der Kulturwart des „Fränkischen Schweiz Vereins“ in der Kirche auf und gibt sein Wissen zum Besten, leider etwas langatmig. Um unserem eigentlichen Ziel, dem Kirschenweg endlich näher zu kommen, kaufen wir uns schließlich mit einem ansehnlichen Trinkgeld frei.



Im Tal der Trubach führt unser Weg, vorbei an unzähligen Kirschbäumen mit herrlich reifen Früchten, nach Hagenbach. Wir befinden uns im größten zusammenhängenden Kirschanbaugebiet Europas. Um der prallen Sonne zu entgehen, schlagen wir einen Haken, hinauf zum Waldrand am Rabenberg. Angenehm können wir nun im Schatten des Waldes wieder nach Wannbach hinabwandern. Gleich am Ortseingang liegt der Bolzplatz. Die Hütte hier ist ein idealer Platz für unsere Brotzeit aus dem Rucksack.
Gestärkt geht es nun auf den anstrengendsten Teil der Wanderung. Steil führt der Weg entlang der 10.000 Jahre alten Sinterterrassen des Weißenbaches den Berg hinauf. Leider führt der Bach im unteren Teil wegen der Trockenheit der letzten Wochen überhaupt kein Wasser, während die oberen Becken noch gefüllt sind.
Am Burgstall Dietrichstein genießen wir die herrliche Aussicht über das Trubachtal, ehe wir, vorbei am Judenfriedhof hinunter zum Pretzfelder Keller wandern. Extra für uns ist er schon um 15:00 Uhr geöffnet. Kellerbier, Zieberlaskäs, Obatzter und Saure Zipfel, diese vorzüglichen fränkischen Schmankerl lassen wir uns bei herrlichem Panorama, hinüber zum Walberla, Vexierkapelle und Lange Meile schmecken.
Der abschließende Weg hinunter zum Bahnhof ist nur noch ein Katzensprung.




Text und Bilder: Roland Rikirsch