Nürnberger Rosengärten

Donnerstag 14. Juni 2018

Unsere Wanderer vom FAV Schwabach trafen pünktlich im Nürnberger Hauptbahnhof ein, wo ich sie erwartete. Weiter gings per U-Bahn und Tram zum Tiergärtner Tor. Auf einem Bänkchen sitzend erwartete uns Elfriede Bauer, meine Mutti. Sie wird uns durch die Geschichte der Gärten führen. Nach dem Dürer Haus und dem „gewöhnungsbedürftigen“ Hasen passierten wir das „kleinste Wirtshaus Nürnbergs“ und erreichten den „Rosengarten der Burg“. Mit süßem Rosenduft in der Nase erblickten wir die symmetrisch angelegten Rosen- und Blumenbeete und einen herrlichen Blick über Nürnberg. Jetzt folgte der „Burggarten“. Ein Rondell aus Bäumen, gesäumt von einer Blütenpracht verschiedener Blumen. Jede Einzelne von ihnen war am Rand des Gartens gepflanzt und mit einem Schild versehen. So entdeckten unsere Botaniker nie gesehene Pflanzen. Nach einem kurzen Abstecher auf die Stadtmauerbrüstung riskierten wir noch einmal einen Blick auf das Dürer Haus und dem Tiergärtnertorplatz. Drei Stufen abwärts und wir standen in den „Meistergärtla“. Der Bürgermeister und die Meister verschiedener Zünfte hatten damals hier Gartenparzellen. Steintore, Figuren, Bänke und Treppen säumten den verwinkelten Weg. Durch das Neutor verließen wir die Burg und begaben uns in die Johannisstraße 13, zum ersten von fünf Hesperiden Gärten. Hier erzählte uns Elfriede, nach den vorhergehenden Ausführungen, die Sage der „Drei Goldenen Äpfel“, die in diesem Garten verewigt ist. Den Namen Hesperiden Gärten verdanken sie der griechischen Mythologie, in der die Töchter des Hesperos oder des Atlas die Aufgabe hatten, die, im gleichnamigen Garten wachsenden, goldenen Früchte zu bewachen. Einen kleinen, aber schmucken, Hesperiden Garten fanden wir hinter dem Hallerwiesenklinikum. Die teilweise erhaltenen Gartenhäuser der mittelalterlichen Honoratioren sind gut erhalten.

Nun gings zur Einkehr zum „Dampfnudel Bäck“, aber nicht ohne davor die Kreuzwegstation von Adam Kraft erklärt zu bekommen. Gestärkt mit Dampfnudeln, Omelette und Pfannkuchen erkundeten wir die letzten drei Hesperiden Gärten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Damals vor den Stadtmauern gelegen, 15 Meter breit aber 200 Meter lang, zogen sich die Adeligen, Kaufleute und Handwerksmeister, ganz im Stil der Barockzeit, exotisch Früchte wie Zitronen, Pomeranzen (Bitterorangen) und Nutzpflanzen auf dem großen Areal. Um 1980 konnten diese Gärten restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Statuen und Brunnen aus der Mythologie, Zwergen Ensemble, Sonnenuhr, Kräutergarten und die akkurat angelegten Beete laden zum Anschauen und Verweilen ein. Nun verließen wir die Gärten und betraten den Johannisfriedhof. Rosenduft lag in der Luft, so dass wir uns nicht auf einen „Gottesacker“ sondern in einem „Gottesgarten“ wähnten. Er wurde in 10./11. Jahrhundert angelegt. Hier suchten und besuchten wir die Grabstätten berühmter Nürnberger aus vier Jahrhunderten. Unter den Grabsteinen mit ihren wertvollen Bronzeepitaphen liegen Persönlichkeiten wie Albrecht Dürer, Theodor von Cramer Klett, Anselm Feuerbach, Martin Peller, Hans Sachs, Veith Stoß, Hans Sachs, William Wilson und Willibald Pirckheimer um nur einige zu nennen. Das Kirchlein St. Johannis, in mitten des Friedhofs aus dem Jahr 1446, mit seinem sehenswerten Hauptaltar, dem Sakramenten Haus aus Sandstein, der Statue Johannes des Täufers (1470 ein Werk von Veith Stoß) sowie Grabdenkmäler gilt als Beispiel ursprünglichstem Kirchenbaus. Wir verließen den Friedhof und bewältigten den „Riesenschritt“ zur Hallerwiese. Diese Wiese war, im Mittelalter, Übungsgelände der Armbrustschützen und später eine Festwiese. Ein kleiner Steg führte uns über die Pegnitz zur „Kleinweidenmühle. Die Drahtzieher Mühle wurde 1234 erstmals erwähnt. Besondere Ehren bekam sie durch Albrecht Dürer – sie wurde von ihm gezeichnet. Gemächlich, auf einem schattigem Weg der Pegnitz entlang erreichten wir den Lederersteg. Hier verabschiedete sich Elfriede Bauer. Richard sprach die Dankesworte, was aber die Schwabacher Wanderer nicht abhielt sich persönlich zu verabschieden. Meine Mutti flüsterte mir ins Ohr: „Deine Wanderer aus Schwabach sind alle liebe Leut!“ Ein paar Meter noch und wir saßen in der U-Bahn zu Bahnhof. Meine Schwabacher waren begeistert, sie sind an Orten gewesen, die noch keiner in Nürnberg kannte.





Euer Siggi