Vom Irrhain zu den Geuderschlössern

Donnerstag, 08.11.2018, Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 15 km



Vom Bus zur Kraftshofer St. Georgskirche sind es nur wenige Schritte. Gut vorbereitet berichtet unsere Wander- und Kulturführerin über die Besitz- und Ausstattungsdetails dieser 1315 erstmals erwähnten Wehrkirche. Sie wurde durch die Familie Kress, später Kress von Kressenstein, erbaut und stand bis 1969 unter deren Patronat.
Dass bei Lisa’s Donnerstagswanderungen neben Kultur auch Flora und Fauna nicht zu kurz kommen ist ja bekannt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass nach kurzer Strecke, an der Kraftshofer Stieleiche, einige Bemerkungen über den Eremit, auch Juchtenkäfer genannt, fallen. Er bewohnt diesen uralten Baum in seinen Malmhöhlen und macht ihn deshalb so schützenswert.



Wenige Schritte weiter stehen wir vor dem Eingangsportal zum „Irrhain“. Die Inschrift im oberen Torbogen erinnert daran, dass seit 1676 der „Pegnesische Blumenorden“, die bis heute älteste Sprach- und Literaturgesellschaft, hier seine Begegnungs- und Besinnungsstätte hat. Er wurde 1644 gegründet. In diesen elitären Kreis kann man nicht eintreten. Man muss von zwei Mitgliedern vorgeschlagen werden, um aufgenommen zu werden. Dies erklärt, dass auch heute nur 120 Personen dieser Gesellschaft zur Pflege von Sprache und Dichtung angehören.
Endlich, am Kothbrunnengraben angelangt, können wir unseren Schritt beschleunigen, um der Mittagseinkehr näher zu kommen. Doch Halt, da liegt ein Baum im Wald!! Klar, was sonst? Aber dieses Monster ist etwas Besonderes, ca. viermal höher als unsere Wanderführerin ragt die Wurzelscheibe der umgestürzten Stieleiche in Höhe und Breite vom Boden auf. Ein Gruppenfoto ist hier zwingend erforderlich. Und weil alle so günstig aufgereiht sind, reicht heute mal Helga ihren Flaschengeist, dunkelbraun und vollnussig, in die Runde.
Kurz noch ein paar Einlassungen über den Golfplatz, für den in den sechziger Jahren schnell mal 20 Hektar Reichswald gerodet wurden, sowie über die unzähligen weißen Kreuze, die heute diejenigen Bäume markieren, welche der Nordanbindung des Flughafens weichen sollen.
Das Sportheim des ASV Buchenbühl öffnet extra für unsere Mittagsrast. Wir werden mit riesigen Portionen und hervorragendem Essen verwöhnt.
An der Hahnenbalz vorbei geht es nun zum Buchenbühl, mit 391 m höchste Erhebung in dieser Gegend. Außergewöhnlich hier ist, dass man im Sommer 1834 durch Knochenfunde an dieser Stelle erstmals die Existenz von Sauriern im europäischen Raum nachweisen konnte. Hätten wir den roten Zwetschger von Erna nicht in minimalster Dosierung zu uns genommen, wären uns diese Monster wohl im Dilirium erschienen.
Nun geht es strammen Schrittes gen Heroldsberg. Zunächst die Gründlach und den Gockerlersgraben überqueren, sowie dann auf unmarkierten Pfaden und Steiglein durch den Lehen, um den Ort westlich etwas zu umgehen. Von Nordwesten biegen wir schließlich in den alten Ortskern, den sog. Oberen Markt, mit der St. Matthäuskirche und den vier Schlössern von Heroldsberg ein.





Die Ortsherren von Heroldsberg, die Nürnberger Patrizierfamilie Geuder, ließen ab dem späten 15. Jhd. vier Schlösser erbauen, deren Namen von den ursprünglichen Farben ihrer Fensterläden herrühren sollen. Das Grüne, das älteste, das Rote, in dem einst Dürer weilte, sowie das Weiße und das Gelbe.
Ein Wunder, dass im Zug auf der Heimfahrt nicht die Rauchmelder Alarm schlagen, so rauchen uns die Köpfe nach so viel Kultur.


Text: Roland Rikirsch, Bilder: Roland Rikirsch u. Henry Siggelkow