Herbstwanderung im Hochgebirge mit Schneeberührung

Vom 27.10. bis 1.11.2018 führte Roland Stierand schon die 10. Herbstwanderung im alpinen Hochgebirge durch

Frau Holle bekam pünktlich zu Beginn der Wanderung Besuch von der Goldmarie, die ihre Betten kräftig ausschüttelte. So ging es die 1,25h von der Salzhütte in St. Anton am Arlberg zur Konstanzer Hütte (1.688m) durch den ersten Schnee des Winters. Um 15 Uhr an der Hütte hatte es +2 Grad und 5cm Neuschnee. Fazit der ersten Etappe: 2.5 Liter Rotwein bereiten Schmerzen - zuerst auf den Schultern beim hochtragen und dann am nächsten Morgen im Kopf, aber an der frischen Luft verflüchtigt der Restalkohol sehr schnell. Nachts bei -2 Grad hat Goldmarie weiter fleißig Betten geschüttelt, so dass uns am nächsten Morgen ein Wintermärchen mit 20 cm Pulverschnee erwartete.

Um sieben ging es los zur Heilbronner Hütte. Während des Weges durch das Schönverwall wurde es immer wärmer und es fing an zu regnen. Goldmarie hatte ihre Arbeit niedergelegt und leider ist Pechmarie an ihre Stelle getreten. Pünktlich zur Mittagsrast erreichten wir nach 6 h die Heilbronner Hütte auf 2.320m. Nach einer ausgiebigen Brotzeit und ein paar Bier haben wir die Mittagsruhe genossen. Gegen 16 Uhr wurden wir von der Sonne wachgeküsst. Die Scheidseen unterhalb der Heilbronner Hütte haben sich unter der frühen Abendsonne in einen Spiegel verwandelt und betonten die unberührte Schönheit der Landschaft.


Am Montag gegen 6:30 Uhr machten wir uns auf den Abstieg nach Galtür. Der halbe Mond schien durch die dünne Wolkendecke und tauchte die Landschaft in ein feierliches Licht. In der Nacht ist es warm geworden (+ 8 Grad) und die 10-20 cm noch nicht getauten Schnees waren gut griffig. Nach 2 h erreichten wir das Zeinis Joch auf 1.842 Meter, wo wir Katja und David verabschiedeten, welche den direkten Weg nach Galtür nahmen. Von dort haben Sie sich auf den Heimweg gemacht. Wir verbliebenen Drei nahmen den Weg, der zur Silvretta-Hochalpenstraße führt. Kaum haben wir unsere Freunde aus dem Auge verloren, fing es schon an zu regnen. Während der sieben Kilometer hinauf zum Silvretta Stausee wurde der Regen immer stärker. Und es wurde kälter. Als wir gegen Mittag die Biehler Höhe auf 2.050 Meter erreichten, mischten sich schon erste dicke Flocken unter den Regen. Wir waren total nass! In einem zugigen Flur eines geschlossenen Andenkenladens machten wir kurz Mittag und nahmen den Weg am Stausee entlang zur Klostertaler Umwelthütte (2.366 Meter). Am Anfang war der Schneematsch nur 15 cm. Doch als der Weg das Seeufer verließ und einen Knick nach Südwesten machte, wurde der Matsch tiefer. Während wir an Höhe gewonnen, nahm der Schnee zu. Bald spurten wir abwechselnd durch knietiefen nassen Schnee. Als wir um 15:30 Uhr endlich die Klostertaler Umwelthütte erreichten, waren wir alle drei durchgefroren, hungrig, erschöpft aber unendlich glücklich. Warmer Ofen, heißes Essen und guter Rotwein ließen uns wieder zu Kräften kommen. In der Nacht wurde der Wind zum Sturm und es wurde kälter.

Am nächsten Morgen beim Frühstück beschlossen wir einstimmig einen Hüttentag einzulegen. Dieser wurde nur unterbrochen von einer Erkundungstour Richtung Litzner Sattel (2.737 Meter). Ohne Rucksack, in warmer und trockener Kleidung machte der Schneesturm richtig Spaß.

Steffen und ich hatten uns für den Weg zur Saarbrückener Hütte „unten herum“ entschieden. Am Anfang war der breite Weg noch aper. Doch bei gut 2.000 Meter erst ein wenig, dann immer mehr Schnee. Auch das sonnige Wetter war nicht mehr. Vom Alpenhauptkamm kamen immer mehr Wolken und der Wind wurde stärker. Bald brachen wir bei jedem Schritt bis zu den Knien ein. Gegen 15 Uhr erreichten wir die Saarbrückener Hütte bei 2.538 Meter. Allein für die letzten 100 Höhenmeter brauchten wir 1h. Der Winterraum ist auf dem Dach der Haupthütte. Der Weg führte über eine Leiter. Im Winterraum war es gefühlte -5 Grad und kein Ofen. In einer kleinen Küche war ein Gaskocher. Nach einem schnellen Abendessen gingen wir voll aufgerödelt (allerdings ohne Stiefel und Gamaschen) zu Bett. Mit gut 10 Decken zugedeckt, versuchten wir zu schlafen. Als wir in der Nacht aufwachten, fragten wir uns was wir hier eigentlich machten. Roland sehnte sich nach seiner Freundin und einem warmen Bett. Am Morgen beschlossen Steffen und Roland einstimmig nach Hause zu fahren. Kurz nach 8 Uhr ging es nach draußen in den Schneesturm. Je tiefer wir kamen, desto wärmer wurde es und der Wind wurde schwächer. Ab 2.200 Meter regnete es dann auch wieder. Als wir um 9:30 Uhr auf der Silvrette Hochalpenstraße Richtung Tal gingen, nahm uns ein netter Inspektor der Kraftwerksgesellschaft bis kurz vor Partenen (1.000 Meter) mit. Als wir am Zug nach Bludenz saßen, lachte uns ein strahlend blauer Himmel aus. Aber Heute ist nicht aller Tage, wir kommen wieder – keine Frage. Die nächste herbstliche Wanderung im Hochgebirge ist am 26.10. – 3.11.2019 geplant. Schneeberührung ist wahrscheinlich, kann aber nicht garantiert werden. Anmeldung ist jetzt schon bei Roland Stierand (Festnetz 09122 / 873750 oder Handy via 0174 / 6340205) möglich.



Roland Stierand (FAV Schwabach)
Robert Rautenstrauß (DAV Oberland)
Steffen Berger (DAV Oberland)
Katja Holler (FAV Schwabach)
David Holler (DAV Noris)