Hoch über Erlangen: Wilde, verlassene Gärten – endlose geheimnisvolle Wälder und Kunst-genuss am Burgberg = der Skulpturengarten

Donnerstag, 22.02.2018, 12 km,  Wanderführerin: Lisa Rikirsch



Bemerkenswert unbekümmert nimmt der Wirt vom Erlanger Schießhaus meinen Anruf entgegen, dass statt der avisierten 15-20 Personen nun 30 Wanderer zum Mittagessen kommen. „Dann stellen wir eben noch einen Tisch dazu“, so seine lakonische Antwort.
Bereits um zehn Uhr knallt die Sonne, wie durch ein Brennglas auf unseren Einstiegshang am Figurengarten von Heinrich Kirchner am Erlanger Burgberg. Die Temperaturen liegen nahe dem Gefrierpunkt. Die vorwitzigen lila Krokusse sprießen aus der welken Grasnarbe, als wollten sie mit den übermannsgroßen Bronzestatuen des Künstlers in Konkurrenz treten. Oben, am höchsten Punkt des Hanges tun wir das, und nehmen zu Füßen des „Wanderers“ für ein Gruppenbild Aufstellung.
Am alten Wasserturm vorbei gelangen wir zum „Schneckerlasbuck“, den die Friedrich Rückert Gedichttafel ziert. Wenige Meter weiter, das verschlossene Eingangstor zum ehemaligen Fleischmannsgarten. Mit breitem Kreuz stelle ich mich vor das „Durchgang verboten“ Schild, um alle Wanderer reinen Gewissens in den verfallenen Garten, um den Zaunpfosten herum, hinein zu lotsen. Nur so ist es uns möglich, die hier in voller Pracht blühenden Schneeglöckchen und Märzenbecher zu sehen. Außerdem ist es nur von hier aus möglich, einen Blick von oben auf das Denkmal für den Ludwigskanal zu werfen. Durch den anschließenden „Schunkschen Garten“ verlassen wir über die opulente Brunnentreppe das verbotene Areal wieder, um unseren Weg auf der Böttcherpromenade fortzusetzen. Unmittelbar folgende Highlights sind der „Vier Straßen Blick“, die beiden Sphinxen vor dem nördlichen Tunnelportal der Bahnstrecke, sowie der Jüdische Friedhof, bevor es nun endlich ans Wandern geht. Durch die Eisgrube, vorbei am Rudelsweiher und durch den Bischofsmeilwald steigen wir nun auf versteckten Pfaden, stetig steiler werdend, hinauf zum Gipfelkreuz am Rathsberg. Hier oben weht ein eisiger Wind. Im Ort, zwischen den Gassen vom Schloss und den alten Häusern am Rundblick merkt man davon nichts mehr. Schnellen Schrittes geht es nun durch den Erlanger Meilwald hinunter zum Schießhaus zur Einkehr. Wir sind schon im Verzug, der Achim hat schon fünfmal gefragt „wo ist denn jetzt das Wirtshaus“?



Schon auf dem Weiterweg, jedoch nicht allzu weit vom Gasthaus entfernt, stellt uns ein anhaltender Autofahrer die Frage, ob wir einen Rucksack vergessen hätten. Schnell erweist sich, dass unser Extremwanderer Roland (der andere), der sich erstmals den Strapazen einer Donnerstagswanderung unterzog, ihn vergessen hatte (war wohl zu leicht für ihn heute). Bis er wieder zurück war, nutzte unser Richard die Wartezeit derweil mit einer kurzen Laudatio auf unsere Wanderpokal-Siegerin Marika und spendierte zudem ein Schnäpslein für alle.
Gut gestärkt wandern wir nun entlang des „Wolfsäckergraben“ und der (Erlanger) Schwabach ins Zentrum von Erlangen bis zum Aromagarten. Noch ein kurzer kultureller Abriss im Schlossgarten und über die Neischlgrotte im Botanischen Garten, und schon sind wir wieder am Bahnhof.
Ein ganz dickes Lob wollen wir noch unserer Isolde aussprechen, hat sie sich doch nach mehreren Hüftoperationen erstmals wieder mit auf den Weg gemacht und ganz tapfer durchgekämpft. Klar dass wir auch unseren Donnerstags-Erstwanderer Roland (den anderen) loben müssen, hat er doch bewiesen, dass er der Donnerstagscombo würdig ist. Über den kleinen Makel mit dem Rucksack wollen wir dabei großzügig hinweg sehen, sollte er doch mit etwas Training beherrschbar sein.




Text und Bilder: Roland Rikirsch