Weinbergtulpen und Riesenschnitzel

Donnerstag, 26.04.2018.  Wanderführerin: Lisa Rikirsch, 17 km

Um es gleich vorweg zu nehmen, man nimmt sich etwas ganz Besonderes vor und dann macht einem die Natur einen Strich durch die Rechnung. So geschehen mit den von uns großmütig angekündigten Weinbergtulpen.
Zwei Wochen vorher waren gerade mal die Knospen zu sehen. Wir dachten, das passt prima. Und nun sehen wir nur noch verblühte und halb vertrocknete Stängel stehen. Ein Tribut an die wärmsten Apriltage seit es Wetteraufzeichnungen gibt.
Aber dafür bietet die Natur auch postwendend Entschädigung. Zu achtzehnt stehen wir, etwas abseits der markierten Routen, auf einem Trockenhang im Gräfholz und rätseln, um was es sich bei der eben entdeckten Pflanze wohl handeln könnte. Die Marianne meint, es könnte sich um Germer handeln. Meine Vermutung geht in Richtung Orchideen.
Mein Verdacht bestätigt sich, allerdings erst nach umfangreichen Recherchen, einen Tag später. Es handelt sich um die „Bocks-Riemenzunge“, eine bei uns gefährdete Art. Dieser Standort ist selbst in Expertenkreisen noch nicht bekannt und man bittet mich um genauere Angaben zwecks Aufnahme in die Kartierung.





Die Bilder von den ersten blühenden Exemplaren habe ich eine Woche später für euch aufgenommen, deshalb auch die Verzögerung dieses Berichtes.
Unsere naturkundliche Wanderung findet schließlich noch Höhepunkte in der immensen Ausdehnung der Bärlauchblüte im Abstieg hinunter nach Oberntief, sowie der ausdauernden Blüte der Adonisröschen bei Erkenbrechtshofen. Die Küchenschellen zeigen sich leider nur noch vereinzelt auf den absonnigen Hängen der Gipshügel.





Nachdem ich im Juni 2016, laut Expertenauskunft vom Botanischen Garten in Tromsö (Norwegen), als erster Mensch die gefüllte Form der „Saxifraga Oppositifolia“, dem roten Steinbrech, auf Spitzbergen fotografisch dokumentiert habe, und einen Monat vorher bei unserer FAV-Wanderung in Dollnstein erstmals das gefüllte Leberblümchen am Wegesrand entdeckt und fotografiert habe, wiederum laut Experten, vergleichbar einem Sechser im Lotto, neige ich jetzt dazu, mich als „Florale Koryphäe“, oder so ähnlich, zu bezeichnen.
Keine Angst, ihr müsst künftig nicht den roten Teppich vor mir ausrollen. Ich freue mich ausdrücklich darüber, wenn ihr weiterhin so treu und zahlreich mit eurer Wanderführerin Lisa auf Tour geht, in deren Diensten ich stehe. Ihr seht, es ist immer spannend und irgendwie unterhaltsam und lehrreich. Das ist ein Privileg der Donnerstagscombo.
Ach so, die Schnitzel bei der Magda in Oberntief waren riesig. Manche haben sich ein ganzes (kein Senioren oder „sonstwie“ verkleinertes) gegönnt, mit dem Argument: „Für den einen Euro mehr kann ich morgen nochmal zu Mittag essen“. Als Anerkennung dafür hat jeder noch einen „roten Zwetschger“ oder „Willi“ aufs Haus bekommen. Beim Gehen hat mir die Magda noch zwei Paar geräucherte Bratwürste für die Wanderführerin in den Rucksack gesteckt.
Damit keine Langeweile aufkommt hat die Erna im Weinberg vom Bund Naturschutz, wo wir eigentlich noch einmal die Weinbergtulpen sehen wollten, abermals einen vorzüglichen, selbstgebrannten „Roten Zwetschger“ ausgeschenkt.
Das bringt mich an persönliche Grenzen, ich glaub, ich geh da nicht mehr mit!!!

Text und Bilder: Roland Rikirsch